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Auszug aus „Heimatbuch des
Kreises Rendsburg“ von 1922, Neudruck 1981 Verlag Bernd Schramm
Nach der Visio
Godescalcii verübten in der Parochialkirche zu Jevenstedt, die aus Holz
erbaut war, vor 1164 eine slawische Räuberbande durch Untergrabung einen
Einbruch und stahlen das Kirchengerät und die Reliquien. (Vergl.: Kirchspiel
Nortorf)
Wie lange die Kirche damals
schon gestanden hatte, läßt sich nicht nachweisen; ebenso liegen keine
Nachrichten vor, wo die Mutterkirche dieser Neugründung zu suchen ist. Um
solche Einbrüche in Zukunft unmöglich zu machen, ist vermutlich bald darauf die
Kirche aus Feldsteinen aufgeführt worden, deren Überreste sich noch heute in
der Turmmauer befinden.
Der Turm dieser alten Kirche wurde erst im
Jahre 1504 errichtet; die Kirche St. Marien lieh zu dem Bau 60 Mk.l., „als si
den nygen torne mureden und buweten“. Auch fehlte der nach Osten liegende
Querbau.
Am 20. April 1559 hatten die
beiden Herzöge Adolf und Johann mit dem König Friedrich II. von Dänemark in der
Kirche eine Zusammenkunft, um über die Unterwerfung Dithmarschens Rat zu
pflegen. Als die Kaiserlichen im Herbst 1627 hier plünderten und sengten, fiel
das Pastorat und z.T. auch die Kirche den Flammen zum Opfer; doch war die
Turmspitze im Sommer 1634 schon wieder vollendet. (Kostenaufwand: 1006 Mark)
Ein fürchterlicher Sturm
beschädigte am 16. Nov. 1660 den Turm stark; die Spitze stürzte nach Nordwesten
nieder. Der schlanke, achteckige, schiefergedeckte Turm, der jetzt die Kirche
ziert, war 1663 fertig. Da sich das Gotteshaus für die große Kirchengemeinde
als zu klein erwies, wurde 1764 der Südflügel hinzugebaut; es entstand damit
die Kreuzesform der jetzigen Kirche. Der König bewilligte zu diesem
Erweiterungsbau 9 Eichen im Werte von 689 Mark 8 Schill,; von diesen Bäumen
wurden 4 auf dem Stafstedter und 5 auf dem Nienkattbeker Felde angewiesen. Der
Nordflügel war schon 1605 aufgeführt worden; von 12 Bauernknechten aus
Jevenstedt wurde 1683 in ihm die Empore errichtet, die noch jetzt deren Namen
und die Jahreszahl 1683 trägt. 1766 lieferte der Uhrmacher Johann Hinrich Bock
in Kellinghusen die Kirchenuhr für 100 Rthlr. Am 31 August 1806 schlug der
Blitz in den Turm, zündete und riß große Löcher in das Dach; doch wurde das
Feuer durch einen sogleich darauf folgenden kalten Schlag wieder gelöscht. Als
ein Glück war es zu betrachten, dass am Tage vorher das Pulver für ein im
Kirchspiel einquartiertes Jägerbataillon aus der Kirche fortgeschafft war.
Infolge dieses Ereignisses wurde der Turm mit einem Blitzableiter versehen.
Von der inneren Ausstattung
der Kirche verdienen das Altarbild (Reste eines alten Altars, allem Anschein
nach aus dem 15. Jahrhundert stammend, finden sich im Thaulow-Museum in Kiel.
Schriften des Vereins für Kirchengesch. I. H. 2, S. 23.), die Kreuzigung
darstellend, und die aus dem Jahre 1725 stammende geschnitzte Kanzel mit
Blumengewinden an den Seiten und Ecken vermerkt zu werden. Zum Bau dieser
Kanzel schenkte Jochim Lüder aus Hembürn der Kirche 100 Rthlr. Im Jahre
1896 erhielt die Kirche eine Heizung und 1908 eine elektrische Lichtanlage. Da das
Innere der Kirche recht verwahrlost aussah und jeglichen Schmuckes entbehrte,
empfing es im Sommer und Herbst 1912 ein neues Gestühl und eine künstlerische
Ausmalung, so daß die Kirche jetzt mit zu den anheimelndsten Kirchen Holsteins
gehört.
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